Internationale Projekte im Donauraum bringen Partner aus bis zu vierzehn Ländern zusammen – von Deutschland über Österreich und die Slowakei bis nach Rumänien, Bulgarien und die Ukraine. Das ist kein PR-Projekt mit Übersetzungsaufwand. Das ist eine kommunikative Grundsatzaufgabe: Wie erzählt man eine gemeinsame Geschichte, wenn die Beteiligten verschiedene Sprachen sprechen, verschiedene Mediensysteme nutzen und verschiedene politische Realitäten leben?
Donauraum-Projekte funktionieren kommunikativ nur dann, wenn die Kommunikation von Anfang an mitgedacht wird – nicht als Begleitmaßnahme, sondern als tragendes Element der Zusammenarbeit. Der Beitrag zur Wasserstraßen-Kommunikation an der Donau beschreibt die Grundlagen dieses Feldes. RAFFEINER REPUTATION hat mit der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau (ICPDR) und dem DANUBIS-Projekt diese Erfahrung gemacht: Erfolgreiche internationale Kommunikation beginnt nicht bei der Übersetzung, sondern beim Verständnis dafür, was in verschiedenen Ländern verschiedene Dinge bedeutet.
Die zentrale Erkenntnis aus dieser Arbeit: Es reicht nicht, eine Botschaft in zehn Sprachen zu übersetzen. Man muss sie in zehn Kontexten denken. Was in Österreich eine Umweltschutz-Geschichte ist, kann in Serbien eine Wirtschaftsgeschichte sein und in der Ukraine eine Frage der internationalen Kooperation. Derselbe Fluss, dasselbe Projekt – aber grundlegend verschiedene Kommunikationsanforderungen.
Mehrsprachigkeit: Mehr als Übersetzung
Die offensichtliche Herausforderung internationaler Kommunikation ist die Sprache. Aber Übersetzung ist der einfache Teil. Der schwierige Teil ist die Frage, ob eine Botschaft in der Zielsprache dasselbe bedeutet wie im Original.
Ein Beispiel: Der Begriff „Gewässerschutz” hat im Deutschen eine breite gesellschaftliche Konnotation. In manchen südosteuropäischen Sprachen gibt es kein direktes Äquivalent – der nächstliegende Begriff ist technischer oder bürokratischer gefärbt. Wer einfach übersetzt, verliert die emotionale Dimension der Botschaft.
Hintergrundinformationen dazu veröffentlicht PRVA - Public Relations Verband Austria.
Für internationale Projekte bedeutet das: Zentrale Botschaften sollten nicht übersetzt, sondern adaptiert werden. Das erfordert Muttersprachlerinnen und Muttersprachler, die nicht nur die Sprache beherrschen, sondern auch den medialen und politischen Kontext ihres Landes kennen. Eine gute Übersetzerin ist wertvoll. Eine Kommunikationsberaterin vor Ort ist unverzichtbar.
Kulturelle Unterschiede in der Medienarbeit
Die Medienlandschaften entlang der Donau könnten unterschiedlicher nicht sein. In Österreich und Deutschland dominieren etablierte Medienhäuser mit klar definierten Ressorts und professionellen Redaktionsstrukturen. In manchen Donauanrainerstaaten ist die Medienlandschaft stärker fragmentiert, politisch beeinflusst oder digital dominiert.
Pressemitteilungen funktionieren in Westeuropa als Standardinstrument. In anderen Ländern erreichen sie die relevanten Journalistinnen und Journalisten besser über persönliche Kontakte. Wer eine einheitliche Medienarbeit für alle Donauländer plant, scheitert an dieser Realität.
Pressekonferenzen haben in manchen Ländern einen höheren Stellenwert als in anderen. In Österreich konkurriert eine Pressekonferenz mit dutzenden anderen Terminen am selben Tag. In kleineren Märkten kann sie das Medienereignis der Woche sein.
Soziale Medien werden unterschiedlich genutzt. Facebook hat in Südosteuropa eine andere Rolle als in Westeuropa. LinkedIn ist in manchen Donauländern kaum verbreitet. Und Telegram hat in der Ukraine eine Bedeutung, die in Österreich schwer nachvollziehbar ist.
RAFFEINER REPUTATION hat in der Zusammenarbeit mit ICPDR erlebt, was es bedeutet, Kommunikation über diese Unterschiede hinweg zu koordinieren.
RAFFEINER REPUTATION hat in der Zusammenarbeit mit ICPDR erlebt, was es bedeutet, Kommunikation über diese Unterschiede hinweg zu koordinieren. Die Erfahrung von Hélène Masliah-Gilkarov bei der Einbindung internationaler Bezugsgruppen und dem Aufbau neuer Kommunikationskanäle zeigt: Es funktioniert – aber nur mit echtem Verständnis für die jeweiligen nationalen Gegebenheiten.
EU-Förderprojekte: Kommunikation als Pflicht
Viele Donauraum-Projekte werden durch EU-Programme finanziert – Interreg, Horizon, LIFE. Diese Programme haben verbindliche Kommunikationsanforderungen: Logos müssen korrekt platziert werden, die EU-Förderung muss erwähnt werden, Projektfortschritte müssen dokumentiert und kommuniziert werden.
Was als bürokratische Pflicht erscheint, ist in Wirklichkeit eine Chance. Denn die EU-Anforderungen zwingen Projekte dazu, ihre Kommunikation zu professionalisieren. Wer ohnehin Berichte schreiben, Websites betreiben und Veranstaltungen dokumentieren muss, kann diese Pflichten in echte Kommunikationsarbeit verwandeln.
Der Unterschied: Ein Projektbericht, der nur die Fördervorgaben erfüllt, wird von niemandem gelesen. Ein Projektbericht, der gleichzeitig eine gute Geschichte erzählt – über die Menschen hinter dem Projekt, über konkrete Ergebnisse, über Herausforderungen und wie sie gelöst wurden –, erreicht auch Zielgruppen jenseits der EU-Bürokratie.
Koordination über nationale Grenzen
Die größte operative Herausforderung internationaler Kommunikation ist die Koordination. Wer genehmigt Texte? Wie lange dauern Freigabeprozesse? Welcher Partner darf was kommunizieren? Wer spricht für das Gesamtprojekt?
Diese Fragen klingen organisatorisch, sind aber politisch. In internationalen Konsortien gibt es Hierarchien, Empfindlichkeiten und nationale Interessen. Ein rumänischer Partner möchte seine Rolle sichtbar machen. Ein österreichischer Projektkoordinator will die Gesamtbotschaft kontrollieren. Ein EU-Fördergeber erwartet die Sichtbarkeit aller Beteiligten.
Einen branchenrelevanten Überblick liefert APA - Austria Presse Agentur.
Die Lösung liegt in klaren Kommunikationsstrukturen, die zu Projektbeginn vereinbart werden: ein gemeinsames Botschaftendach, das für alle gilt, kombiniert mit der Freiheit für jeden Partner, nationale Schwerpunkte zu setzen. Das erfordert Vertrauen – und eine Koordinationsinstanz, die beide Dimensionen versteht.
Nationale Medienlandschaften verbinden
Ein Donauraum-Projekt, das eine einzige Pressemitteilung an alle Länder schickt, erreicht niemanden. Medien arbeiten national. Ein rumänisches Medium interessiert sich für den rumänischen Anteil am Projekt. Ein österreichisches Medium für den österreichischen Anteil. Die europäische Dimension ist der Rahmen, aber der nationale Bezug ist der Nachrichtenwert.
Das bedeutet: Jedes Land braucht seine eigene Medienansprache, mit eigenen Ansprechpartnerinnen, eigenen Winkeln und eigenen Verteilern. Die Gesamtkommunikation des Projekts liefert die Dachbotschaften und das Material. Die nationale Umsetzung liegt bei den lokalen Partnern – idealerweise unterstützt durch Kommunikationsprofis, die den jeweiligen Markt kennen.
Einen Überblick über unsere Arbeit in der internationalen Kommunikation finden Sie unter /expertise.
Warum internationale Kommunikation strategisch gedacht werden muss
Internationale Projekte scheitern selten an fehlender Fachkompetenz. Sie scheitern an Missverständnissen, an fehlender Abstimmung und an der Annahme, dass eine gute Idee sich selbst kommuniziert. Kommunikation ist nicht das Sahnehäubchen auf einem internationalen Projekt – sie ist das Bindemittel, das die Partnerschaft zusammenhält.
Das gilt besonders im Donauraum, wo politische Spannungen, wirtschaftliche Unterschiede und kulturelle Differenzen den Alltag prägen. Wie sich die Donauschifffahrt als Logistikkanal kommunikativ positioniert, ist ein verwandtes Thema. Wer hier kommuniziert, braucht nicht nur sprachliche Kompetenz, sondern diplomatisches Gespür und die Bereitschaft, sich auf Perspektiven einzulassen, die der eigenen widersprechen.
Vertiefen Sie das Thema: Wasserstraßen-Kommunikation an der Donau sowie Infrastrukturkommunikation für komplexe Projekte.
Häufige Fragen
Was unterscheidet internationale PR von nationaler PR?
Internationale PR erfordert mehr als Übersetzung. Botschaften müssen für verschiedene kulturelle, politische und mediale Kontexte adaptiert werden. Jedes Land hat eigene Medienlandschaften, eigene Kommunikationsgewohnheiten und eigene Erwartungen an Projektinformationen. Die Koordination über Grenzen hinweg ist die größte Herausforderung.
Welche Kommunikationspflichten haben EU-geförderte Projekte?
EU-Programme verlangen korrekte Logo-Platzierung, Erwähnung der Förderung, Projektdokumentation und regelmäßige Kommunikationsmaßnahmen. Diese Pflichten lassen sich als Chance nutzen, wenn man sie nicht nur formell erfüllt, sondern in echte Öffentlichkeitsarbeit verwandelt.
Wie koordiniert man Kommunikation über zehn Länder hinweg?
Durch ein zu Projektbeginn vereinbartes Kommunikationsframework: gemeinsame Dachbotschaften, klare Freigabeprozesse und nationale Freiräume für länderspezifische Schwerpunkte. Eine zentrale Koordinationsinstanz, die kulturelle Unterschiede versteht, ist dabei unverzichtbar.
Braucht man in jedem Partnerland eigene Kommunikationsfachleute?
Idealerweise ja. Muttersprachlerinnen und Muttersprachler, die den medialen und politischen Kontext ihres Landes kennen, sind durch zentrale Übersetzungsbüros nicht zu ersetzen. Die lokale Kompetenz macht den Unterschied zwischen einer übersetzten Meldung und einer Nachricht, die ankommt.
Was ist der häufigste Fehler in der internationalen Projektkommunikation?
Die Annahme, dass eine einzige Botschaft für alle Länder funktioniert. Was in Wien ein Umweltthema ist, kann in Belgrad eine Wirtschaftsfrage sein. Wer nicht bereit ist, dieselbe Geschichte aus verschiedenen nationalen Perspektiven zu erzählen, erreicht nur einen Bruchteil der Zielgruppen.
Sie planen ein internationales Projekt und brauchen Kommunikation, die über Grenzen hinweg funktioniert? Kontaktieren Sie uns.