Österreichs digitale Verwaltung gilt im europäischen Vergleich als fortgeschritten – die Handysignatur, FinanzOnline, das Unternehmensserviceportal. Trotzdem scheitern viele E-Government-Projekte nicht an der Technik, sondern an der Akzeptanz. Der digitale Führerschein wird eingeführt und die Bürgerinnen und Bürger fragen: „Wird mein alter Führerschein dann ungültig?” Formulare wandern ins Netz und ältere Menschen fühlen sich ausgeschlossen. Eine Behörde digitalisiert ihre Terminvergabe und die Warteschlange vor dem Amt wird länger, weil die Hälfte der Bevölkerung das Online-System nicht nutzt. Das Problem ist selten die Technik. Das Problem ist die Kommunikation.
E-Government-Kommunikation muss zwei Dinge gleichzeitig leisten: erklären, was sich ändert – und Vertrauen schaffen, dass die Veränderung den Alltag erleichtert, nicht erschwert. RAFFEINER REPUTATION begleitet öffentliche Einrichtungen bei dieser Aufgabe. Unsere Erfahrung in der Kommunikation für das BMK und das BMLUK zeigt: Digitalisierung der Verwaltung gelingt, wenn die Kommunikation so nutzerfreundlich ist wie die Anwendung selbst. Was wir unter Kommunikation für die öffentliche Hand verstehen, erklären wir auf unserer Expertise-Seite.
Drei Grundsätze gelten für jede E-Government-Kommunikation: Einfache Sprache, konkreter Nutzen, kein Zwang ohne Alternative. Wie Social Media in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt wird, ergänzt diesen Ansatz.
Die Sprache der Verwaltung: Das größte Hindernis
Der größte Feind der E-Government-Kommunikation ist die Verwaltungssprache. „Im Zuge der Implementierung des elektronischen Zustelldienstes gemäß Zustellgesetz wird die elektronische Zustellung für Unternehmen verpflichtend.” – Dieser Satz ist juristisch korrekt. Kommunikativ ist er eine Katastrophe.
Bürgerinnen und Bürger wollen wissen: Was muss ich tun? Was ändert sich für mich? Was passiert, wenn ich nichts tue? Diese drei Fragen sollte jede E-Government-Kommunikation beantworten – in Sprache, die ein 14-Jähriger versteht. Nicht weil die Zielgruppe unintelligent wäre, sondern weil Behördenkommunikation im Alltag zwischen zwei anderen Aufgaben gelesen wird, am Handy, in 30 Sekunden.
Ergänzend dazu informiert Der Standard.
Diese drei Fragen sollte jede E-Government-Kommunikation beantworten – in Sprache, die ein 14-Jähriger versteht.
In Österreich gibt es seit Jahren Bemühungen um Bürgersprache in der Verwaltung. Das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport hat Leitfäden veröffentlicht. Trotzdem klingt die meiste Behördenkommunikation, als wäre sie von Juristen für Juristen geschrieben. Die Lösung liegt nicht in Leitfäden – sie liegt darin, Kommunikationsprofis in die Projektkommunikation einzubinden, bevor die erste Aussendung das Haus verlässt.
Zielgruppen: Nicht alle Bürger sind gleich
E-Government-Kommunikation scheitert oft an der Annahme, dass „die Bevölkerung” eine homogene Gruppe ist. Sie ist es nicht. Ein 25-jähriger Softwareentwickler hat andere Bedürfnisse als eine 75-jährige Pensionistin. Ein Unternehmen hat andere Anforderungen als eine Privatperson. Eine Familie mit Migrationshintergrund hat andere Hürden als eine, die seit Generationen in derselben Gemeinde lebt.
Digitale Natives (unter 40) brauchen kaum Erklärung zur Technik. Sie brauchen Klarheit über den Nutzen: Spart es mir Zeit? Muss ich dafür trotzdem aufs Amt? Ihre Erwartungshaltung ist geprägt von Amazon und Netflix – sie erwarten intuitive Oberflächen und sofortige Ergebnisse.
Weitere Perspektiven dazu finden sich bei ORF.
Digitale Migranten (40–65) sind grundsätzlich offen, aber vorsichtig. Sie wollen verstehen, was mit ihren Daten passiert. Sie wollen wissen, ob sie etwas falsch machen können. Und sie wollen im Zweifelsfall noch zum Schalter gehen können.
Digitale Außenseiter (über 65 oder ohne regelmäßigen Internetzugang) brauchen analoge Begleitung. Nicht als nachträgliche Notlösung, sondern als gleichwertiger Kommunikationskanal. Wer diese Gruppe ignoriert, schließt einen relevanten Teil der Bevölkerung von öffentlichen Leistungen aus – und produziert politischen Gegenwind, der das gesamte Digitalisierungsprojekt gefährden kann.
Und sie wollen im Zweifelsfall noch zum Schalter gehen können.
Change Management im öffentlichen Dienst
E-Government verändert nicht nur den Kontakt zwischen Behörde und Bürgern – es verändert den Arbeitsalltag der Behördenmitarbeiter grundlegend. Sachbearbeiterinnen, die seit 20 Jahren mit Papierakten arbeiten, sollen plötzlich digitale Workflows bedienen. Abteilungsleiter, die ihre Kompetenz über Wissen und Erfahrung definieren, sollen Entscheidungsprozesse an Algorithmen abgeben. Das erzeugt Widerstand – und Widerstand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist der häufigste Grund, warum E-Government-Projekte in der Umsetzung scheitern.
Die interne Kommunikation muss früh beginnen – lange bevor das neue System eingeführt wird. Sie muss drei Dinge leisten: Erstens, erklären, warum die Veränderung nötig ist. Nicht „weil es modern ist”, sondern „weil der Papieraktenlauf drei Tage dauert und die elektronische Bearbeitung drei Stunden”. Zweitens, die Ängste ernst nehmen. „Wird mein Arbeitsplatz überflüssig?” ist eine berechtigte Frage, die eine ehrliche Antwort verdient. Drittens, Schulungen anbieten, die den Menschen dort abholen, wo sie stehen – nicht wo die IT-Abteilung glaubt, dass sie stehen sollten.
Vertiefende Informationen dazu bietet PRVA - Public Relations Verband Austria.
Datenschutz: Die Vertrauensfrage
Keine E-Government-Kommunikation kommt ohne die Datenschutzfrage aus. Bürgerinnen und Bürger haben ein berechtigtes Interesse daran zu wissen, was mit ihren Daten geschieht. Und sie haben berechtigte Sorgen – Datenlecks bei Behörden gab es, gibt es und wird es geben. Wer das leugnet, verliert Glaubwürdigkeit.
Die bessere Strategie: Transparenz über Datenverarbeitung, ohne in technische Details abzugleiten. „Ihre Daten werden verschlüsselt übertragen und nur von der zuständigen Sachbearbeiterin eingesehen” ist verständlich. „Die Datenübermittlung erfolgt gemäß DSG 2018 unter Einhaltung der Vorgaben des Art. 6 Abs. 1 lit. e DSGVO” ist es nicht.
Weiterführend dazu empfiehlt sich Handelsblatt.
Besonders sensibel: die Verknüpfung von Daten zwischen Behörden. Das Eltern-Kind-Register, das automatisch Familienbeihilfe auslöst. Das Melderegister, das mit der Sozialversicherung kommuniziert. Diese Verknüpfungen bringen echten Nutzen – Bürger müssen weniger Formulare ausfüllen, Leistungen kommen schneller an. Aber sie erzeugen auch das Gefühl des gläsernen Bürgers. Die Kommunikation muss beides ansprechen: den konkreten Vorteil und die konkreten Schutzmaßnahmen.
Barrierefreiheit: Kein Zusatzfeature, sondern Pflicht
Digitale Verwaltungsangebote müssen barrierefrei sein – das ist nicht nur eine ethische Forderung, sondern seit der EU-Richtlinie über die Barrierefreiheit von Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen eine rechtliche Pflicht. In der Praxis bedeutet das: Screenreader-taugliche Formulare, kontrastreiche Darstellung, einfache Navigation, Gebärdensprachvideos für zentrale Informationen.
Die Kommunikation über E-Government-Angebote muss selbst barrierefrei sein. Ein Erklärvideo ohne Untertitel erreicht gehörlose Menschen nicht. Ein PDF-Leitfaden ohne Alternativtext für Grafiken ist für blinde Menschen wertlos. Barrierefreiheit beginnt nicht bei der Anwendung – sie beginnt bei der Information über die Anwendung.
RAFFEINER REPUTATION achtet bei der Entwicklung von Kommunikationsstrategien für öffentliche Einrichtungen darauf, dass Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht wird – nicht als nachträglicher Compliance-Check, sondern als integraler Bestandteil der Konzeption.
Pilotprojekte kommunizieren: Klein starten, groß denken
Viele E-Government-Projekte starten als Pilotprojekte in einzelnen Gemeinden oder Bezirken. Die Kommunikation des Piloten ist entscheidend für den späteren Rollout. Denn die Erfahrungen der Pilotgemeinde – gute wie schlechte – verbreiten sich schnell. Eine Gemeinde, in der der digitale Bauantrag funktioniert und die Wartezeiten halbiert, wird zum Argument für den Rollout. Eine Gemeinde, in der das System am ersten Tag zusammenbricht, wird zum Argument dagegen.
Die Kommunikation während des Piloten sollte deshalb realistisch sein: „Wir testen eine neue digitale Lösung. Es kann zu Anfangsschwierigkeiten kommen. Ihr Feedback hilft uns, das System zu verbessern.” Das senkt die Erwartungen auf ein gesundes Maß und verwandelt potenzielle Kritiker in Tester, die sich gehört fühlen. Wie die Kommunikation für Ministerien in Österreich auf ähnliche Herausforderungen antwortet, zeigt Parallelen.
Ein Erklärvideo ohne Untertitel erreicht gehörlose Menschen nicht.
Vertiefen Sie das Thema: Kommunikation für Ministerien in Österreich sowie Digitale Infrastruktur und Breitbandausbau.
Häufige Fragen
Wie erklärt man älteren Menschen ein neues E-Government-Angebot?
Nicht nur digital. Informationsveranstaltungen in Gemeinden, gedruckte Anleitungen mit Screenshots, Telefonhotlines mit geduldigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – und vor allem: die Zusicherung, dass der analoge Weg weiterhin offen steht, zumindest für eine Übergangszeit. Der persönliche Kontakt ist oft wirksamer als jede Broschüre.
Was tun, wenn ein E-Government-Projekt auf Widerstand stößt?
Zunächst verstehen, woher der Widerstand kommt. Ist es Angst vor Datenmissbrauch? Ist es Überforderung mit der Technik? Ist es generelles Misstrauen gegenüber Veränderung? Jede Ursache erfordert eine andere Kommunikationsantwort. Pauschale Beschwichtigung funktioniert nicht.
Muss E-Government-Kommunikation mehrsprachig sein?
In Österreich leben Menschen mit über 100 verschiedenen Erstsprachen. Nicht jede Kommunikation kann in jede Sprache übersetzt werden. Aber zentrale E-Government-Angebote – Meldezettel, Sozialleistungen, Gesundheitsdienste – sollten zumindest in den häufigsten Sprachen der Bevölkerung zugänglich sein. Das BMK und das BMLUK haben hier Standards gesetzt, die als Orientierung dienen können.
Sie führen ein E-Government-Projekt ein und brauchen eine Kommunikationsstrategie, die alle Bürgerinnen und Bürger erreicht? Kontaktieren Sie RAFFEINER REPUTATION – wir machen digitale Verwaltung verständlich.