Regionale Wirtschaftsförderung ist eine der am schlechtesten kommunizierten öffentlichen Leistungen in Österreich. Standortagenturen betreuen Betriebsansiedlungen, verwalten Förderprogramme, vernetzen Unternehmen – aber kaum jemand außerhalb der direkt Beteiligten weiß davon. Das ist ein Problem, denn Wirtschaftsförderung, die unsichtbar bleibt, verliert politische Unterstützung und wird von potenziellen Nutznießern nicht in Anspruch genommen. Wer Wirtschaftsförderung betreibt, muss sie auch kommunizieren.
Die Kommunikation regionaler Wirtschaftsförderung bewegt sich in einem Spannungsfeld: Sie muss Unternehmen erreichen (als potenzielle Ansiedler oder Fördernehmer), die Bevölkerung informieren (als Legitimation für öffentliche Mittel) und politische Entscheidungsträger überzeugen (als Nachweis der Wirksamkeit). RAFFEINER REPUTATION arbeitet in diesem Feld unter anderem mit der Wirtschaftsagentur Burgenland und kennt die spezifischen Herausforderungen der Standortkommunikation.
Regionen positionieren: Jenseits von Klischees
Jede Region Österreichs hat eine Website, auf der steht, sie sei ein „dynamischer Wirtschaftsstandort” mit „hervorragender Lebensqualität” und „optimaler Verkehrsanbindung”. Das Problem: Wenn alle dasselbe sagen, sagt niemand etwas. Regionale Positionierung erfordert Mut zur Spezifik.
Was macht diese Region tatsächlich anders? Welche Branchen sind stark? Welche konkreten Vorteile bietet der Standort – nicht allgemein, sondern für bestimmte Unternehmenstypen? Ein Logistikunternehmen hat andere Standortkriterien als ein Softwareentwickler. Ein Produktionsbetrieb bewertet Flächen, Energiekosten und Arbeitskräfteverfügbarkeit. Ein Dienstleister bewertet Lebensqualität, Bildungsangebote und digitale Infrastruktur.
Weitere Perspektiven dazu finden sich bei Der Standard.
Regionale Positionierung bedeutet: die eigenen Stärken kennen, sie mit Daten belegen und gezielt an die Unternehmen kommunizieren, für die sie relevant sind. Nicht jeden ansprechen wollen, sondern die richtigen.
Betriebsansiedlung: Erfolgsgeschichten erzählen
Die wirksamste Kommunikation für Betriebsansiedlung sind Referenzprojekte. Unternehmen, die sich bereits angesiedelt haben und darüber berichten, warum sie diesen Standort gewählt haben. Kein Marketingtext überzeugt so stark wie die Aussage eines Unternehmers: „Wir sind hierhergekommen, weil…”
Diese Geschichten müssen aktiv erzählt werden – in Wirtschaftsmedien, auf der Website der Standortagentur, auf LinkedIn, in Broschüren für Ansiedlungsinteressierte. RAFFEINER REPUTATION unterstützt Standortagenturen dabei, solche Referenzgeschichten aufzubereiten: vom Interview mit dem angesiedelten Unternehmen über die Medienplatzierung bis zur Integration in die Standortkommunikation.
Einen branchenrelevanten Überblick liefert Industriellenvereinigung.
Wichtig dabei: Authentizität. Die Geschichten müssen echt sein, mit echten Personen und echten Gründen. Und sie müssen die Herausforderungen nicht verschweigen – ein Unternehmer, der sagt, die Ansiedlung war einfach und problemlos, ist weniger glaubwürdig als einer, der sagt, es gab Hürden, aber die Wirtschaftsagentur hat sie gemeinsam mit uns gelöst.
Viele Unternehmen – gerade KMU – wissen nicht, welche Förderungen es gibt, ob sie berechtigt sind und wie der Antrag funktioniert.
Förderprogramme kommunizieren: Verständlichkeit als Pflicht
Förderprogramme scheitern nicht an fehlenden Mitteln, sondern an fehlender Bekanntheit und mangelnder Verständlichkeit. Viele Unternehmen – gerade KMU – wissen nicht, welche Förderungen es gibt, ob sie berechtigt sind und wie der Antrag funktioniert. Die Information ist oft da, aber sie ist in Behördensprache verfasst und auf Websites versteckt, die niemand findet.
Wirksame Förderkommunikation übersetzt: Was wird gefördert? Wer kann einreichen? Wie hoch ist die Förderung? Was muss ich tun? Diese vier Fragen in klarer Sprache zu beantworten, ist die Grundlage. Zusätzlich braucht es aktive Bewerbung: über Wirtschaftskammern, Gemeindeämter, Steuerberater, Unternehmernetzwerke – überall dort, wo Unternehmen ohnehin beraten werden.
Weiterführend dazu empfiehlt sich Bundeskanzleramt Österreich.
Ein häufiger Fehler: Förderprogramme werden einmal bei der Einführung kommuniziert und dann vergessen. Aber Unternehmen suchen Förderungen, wenn sie ein konkretes Projekt planen – und dieser Zeitpunkt ist selten der Tag der Programmvorstellung. Wie die Förderkommunikation für öffentliche Gelder zeigt, ist kontinuierliche Kommunikation über die gesamte Laufzeit entscheidend.
Politische und wirtschaftliche Botschaften balancieren
Wirtschaftsförderung ist politisch finanziert und wirtschaftlich motiviert. Diese Doppelnatur erzeugt ein Kommunikationsdilemma: Politische Auftraggeber wollen Erfolge sichtbar machen – am besten mit Fotos vom Spatenstich und dem Landeshauptmann. Unternehmen wollen sachliche Information – ohne politische Inszenierung.
Die Lösung liegt in der Kanaltrennung. Politische Kommunikation (Pressekonferenzen mit Landespolitikern, Bilanzberichte, Veranstaltungen) und wirtschaftliche Kommunikation (Standortinformationen für Unternehmen, Förderinformationen, Branchenanalysen) können parallel laufen, ohne sich gegenseitig zu stören. Der Schlüssel ist, dass die wirtschaftliche Kommunikation nicht wie politische PR aussieht und die politische Kommunikation nicht wie Unternehmensberatung.
Hintergrundinformationen dazu veröffentlicht Wirtschaftsagentur Wien.
RAFFEINER REPUTATION berät Wirtschaftsagenturen genau in dieser Balance. Die strategische Beratung umfasst die Entwicklung von Kommunikationskonzepten, die beiden Anforderungen gerecht werden.
Standortmarketing: Digital und persönlich
Regionales Standortmarketing für Gemeinden und Regionen hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Früher reichte eine Hochglanzbroschüre und ein Stand auf der Expo Real. Heute braucht es eine SEO-optimierte Website, LinkedIn-Präsenz, gezielte Ansprache potenzieller Ansiedler und – nach wie vor – persönliche Kontakte auf Immobilien- und Wirtschaftsmessen.
Die digitale Sichtbarkeit ist oft der erste Kontaktpunkt. Wenn ein Unternehmen „Betriebsgrund Burgenland” oder „Logistikstandort Ostösterreich” sucht, muss die Standortagentur in den Ergebnissen auftauchen. Das erfordert Content, der die Suchanfragen potenzieller Ansiedler beantwortet – nicht allgemeine Imagetexte, sondern spezifische Informationen zu Flächen, Infrastruktur, Arbeitskräften und Fördermöglichkeiten.
Aber die persönliche Ebene bleibt entscheidend. Betriebsansiedlung ist ein Vertrauensgeschäft. Kein Unternehmen verlagert seinen Standort auf Basis einer Website. Der persönliche Kontakt, die Besichtigung, das Gespräch mit bereits angesiedelten Unternehmen – das macht den Unterschied.
Vertiefen Sie das Thema: Standortmarketing für Gemeinden in Österreich sowie Förderprogramme und regionale Sichtbarkeit.
Häufige Fragen
Wie misst man den Erfolg von Standortkommunikation?
An konkreten Ergebnissen: Anzahl qualifizierter Anfragen von Ansiedlungsinteressierten, Bekanntheit der Förderprogramme bei der Zielgruppe (messbar durch Befragungen), Medienresonanz in Wirtschaftsmedien und Zugriffszahlen auf Standortinformationen der Website. Weniger aussagekräftig sind allgemeine Social-Media-Kennzahlen.
Braucht jede Region eine eigene Standortmarke?
Nicht zwingend eine eigene Marke, aber eine klare Positionierung. Die Frage ist: Wofür steht diese Region wirtschaftlich? Was unterscheidet sie von den Nachbarregionen? Wenn die Antwort „nichts” lautet, wird auch eine Marke nicht helfen. Wenn es echte Alleinstellungsmerkmale gibt, lohnt sich die Investition in eine eigenständige Standortkommunikation.
Wie erreicht man KMU mit Förderinformationen?
Über Multiplikatoren: Steuerberater, Wirtschaftskammern, Gemeindeämter, Banken. KMU suchen selten aktiv nach Förderungen – sie stoßen darauf, wenn ein Berater sie darauf hinweist. Die Förderinformation muss also bei den Beratern ankommen, nicht nur auf der Website der Förderstelle.
Wie unterscheidet sich regionale Standortkommunikation von nationaler Standortwerbung?
Nationale Standortwerbung (wie sie etwa die ABA betreibt) positioniert Österreich als Gesamtstandort gegenüber internationalen Investoren. Regionale Standortkommunikation ist spezifischer: Sie richtet sich an Unternehmen, die bereits wissen, dass sie in Österreich investieren wollen, und konkrete Standortinformationen innerhalb des Landes suchen. Die Botschaften sind dadurch detaillierter und operativer.
Sie wollen Ihre Region als Wirtschaftsstandort sichtbar machen? Sprechen Sie mit uns über Ihre Standortkommunikation.