Eine Bürgerenergiegemeinschaft lebt von Vertrauen. Bevor Menschen Geld investieren, Verträge unterschreiben und ihren Stromtarif ändern, wollen sie verstehen, was passiert – und zwar nicht in der Sprache von Energierecht und Netzregulierung, sondern in ihrer eigenen. Die größte Hürde für Energiegemeinschaften in Österreich ist nicht die Technik und nicht die Regulierung. Es ist die Kommunikation.
Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) ermöglichen es Menschen in einer Gemeinde oder einem Stadtteil, gemeinsam Strom zu erzeugen, zu teilen und zu verbrauchen. Das Modell ist in Österreich seit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) 2021 rechtlich verankert. Aber ein rechtlicher Rahmen allein bringt keine Mitglieder. Dafür braucht es Kommunikation, die erklärt, überzeugt und Vertrauen schafft. RAFFEINER REPUTATION begleitet Energiegemeinschaften wie die Energiegemeinschaften im Wiener Grätzel bei genau dieser Aufgabe.
Der entscheidende Faktor: Energiegemeinschaften sind lokale Projekte. Sie funktionieren im Grätzel, in der Gemeinde, in der Nachbarschaft. Ihre Kommunikation muss daher ebenso lokal sein – persönlich, nahbar und auf die konkreten Fragen der Menschen vor Ort ausgerichtet.
Vertrauen aufbauen: Das Fundament jeder Energiegemeinschaft
Energie ist ein sensibles Thema. Die Stromrechnung betrifft jeden Haushalt, und die Angst, bei einem Wechsel schlechter dazustehen, ist real. Energiegemeinschaften müssen diese Angst ernst nehmen und methodisch abbauen.
Vertrauen entsteht durch drei Dinge: verständliche Information, bekannte Gesichter und Transparenz bei den Zahlen. Wenn die Nachbarin erklärt, wie die Energiegemeinschaft funktioniert, wirkt das anders als eine Broschüre von einem unbekannten Verein. Wenn die Gründer und Gründerinnen aus der Gemeinde kommen und sichtbar sind, senkt das die Hemmschwelle. Wenn Kosten, Erträge und Konditionen offen liegen, gibt es keinen Raum für Misstrauen.
Ergänzend dazu informiert Wirtschaftskammer Österreich.
Das bedeutet für die Kommunikation: Lokale Sprecherinnen und Sprecher sind wichtiger als professionelle Kampagnen. Persönliche Einladungen wirken stärker als digitale Werbung. Und Transparenz über Finanzen ist nicht optional, sondern die Grundlage für alles Weitere.
Informationsveranstaltungen: Das Herzstück der Mitgliedergewinnung
Der effektivste Kanal für die Gewinnung neuer Mitglieder ist die persönliche Informationsveranstaltung. Ein Abend im Gemeindesaal, im Pfarrheim oder im Vereinslokal, bei dem die Energiegemeinschaft vorgestellt wird, Fragen beantwortet und erste Anmeldungen ermöglicht werden.
Damit eine solche Veranstaltung funktioniert, braucht sie drei Elemente: eine verständliche Präsentation (maximal 20 Minuten, keine technischen Fachbegriffe), eine offene Fragerunde (mindestens 30 Minuten, jede Frage ernst nehmen) und konkrete Unterlagen zum Mitnehmen (ein Factsheet mit den wichtigsten Fakten, ein Anmeldeformular, Kontaktdaten).
Das EAG, die Netzzugangsverordnung, die Rolle der Regulierungsbehörde E-Control, die Unterscheidung zwischen Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) und Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) – für Fachleute ist das verständlich, für die meisten Menschen nicht.
Die häufigsten Fragen bei solchen Veranstaltungen sind vorhersehbar: Was kostet mich das? Kann ich jederzeit aussteigen? Wer betreibt die Anlage? Was passiert, wenn die Sonne nicht scheint? Auf jede dieser Fragen sollte eine vorbereitete, ehrliche Antwort bereitstehen. Keine Verkaufsrhetorik, sondern Fakten.
Technische Inhalte einfach erklären
Der regulatorische Rahmen für Energiegemeinschaften in Österreich ist komplex. Das EAG, die Netzzugangsverordnung, die Rolle der Regulierungsbehörde E-Control, die Unterscheidung zwischen Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) und Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) – für Fachleute ist das verständlich, für die meisten Menschen nicht.
Die Kommunikationsaufgabe besteht darin, diese Komplexität auf das Wesentliche zu reduzieren, ohne zu verfälschen. Bewährt haben sich Analogien und Vergleiche: „Die Energiegemeinschaft funktioniert wie eine Fahrgemeinschaft für Strom – statt jeder für sich fährt, nutzen alle gemeinsam, was vorhanden ist.” Solche Bilder ersetzen keine detaillierte Erklärung, aber sie schaffen einen Einstieg, der neugierig macht statt abzuschrecken.
Weiterführend dazu empfiehlt sich Harvard Business Review.
Infografiken, die den Energiefluss vom Dach in die Wohnungen zeigen, sind wirkungsvoller als jede Texterklärung. Ein einfaches Schaubild – Solaranlage oben, Pfeil nach unten, Haushalte unten – erklärt das Prinzip schneller als jeder Absatz.
Lokale Kommunikationskanäle: Flyer, Aushang, Mundpropaganda
Digitale Kanäle erreichen in einer lokalen Gemeinschaft nur einen Teil der Menschen. Gerade ältere Bewohnerinnen und Bewohner – die oft Eigentümer der Dachflächen sind – werden über analoge Kanäle besser angesprochen.
Ein Flyer im Briefkasten, ein Aushang im Stiegenhaus, ein Beitrag in der Gemeindezeitung, eine Einladung über den Pfarrbrief – diese Kanäle mögen altmodisch wirken, aber sie erreichen die richtige Bezugsgruppe. In der Praxis zeigt sich, dass die Kombination aus analoger Erstansprache und digitaler Vertiefung (Website, E-Mail-Newsletter) am besten funktioniert.
RAFFEINER REPUTATION empfiehlt für Energiegemeinschaften eine dreistufige Kommunikation: Erstens Aufmerksamkeit durch Flyer und Aushänge. Zweitens Vertiefung durch eine Informationsveranstaltung. Drittens Begleitung durch einen regelmäßigen Newsletter an Interessierte und Mitglieder.
Mitglieder halten: Laufende Kommunikation
Die Gewinnung neuer Mitglieder ist die sichtbare Aufgabe. Aber ebenso wichtig ist die laufende Kommunikation mit bestehenden Mitgliedern. Wer nach der Anmeldung nichts mehr hört, verliert das Vertrauen – oder vergisst, dass die Energiegemeinschaft existiert.
Ein vierteljährlicher Bericht – per E-Mail oder als gedruckter Brief – zeigt: wie viel Strom die Gemeinschaft erzeugt hat, wie viel davon lokal verbraucht wurde, wie sich die Mitgliederzahl entwickelt hat und welche nächsten Schritte geplant sind. Diese Transparenz hält Mitglieder informiert und motiviert.
Weitere Perspektiven dazu finden sich bei Trend.
Erfolge feiern gehört ebenfalls dazu: die erste Megawattstunde, das hundertste Mitglied, das erste volle Betriebsjahr. Solche Meilensteine sind Anlässe für Kommunikation – ein Beitrag in der Gemeindezeitung, ein Post auf der Website, ein kleines Fest in der Gemeinde.
Regulatorischer Rahmen in Österreich
Energiegemeinschaften bewegen sich in einem sich entwickelnden regulatorischen Umfeld – auch der Netzausbau und die Bürgerbeteiligung bei Energieprojekten sind hier relevante Themen. Gesetzesänderungen, neue Förderprogramme, angepasste Netztarife – all das betrifft die Mitglieder und muss kommuniziert werden. Nicht als juristischer Text, sondern als verständliche Zusammenfassung: Was ändert sich? Was bedeutet das für mich als Mitglied?
Die strategische Kommunikationsberatung kann hier unterstützen – gerade weil die Übersetzung von regulatorischen Änderungen in verständliche Sprache eine Kompetenz ist, die nicht jede Energiegemeinschaft intern hat.
Typische Fehler vermeiden
Drei Fehler sieht RAFFEINER REPUTATION regelmäßig bei Energiegemeinschaften: Erstens zu viel technische Sprache in der Erstansprache – wer im Flyer von „Netzebenen” und „Bilanzgruppen” schreibt, verliert die Leserschaft. Zweitens fehlende Kommunikation nach der Gründung – Mitglieder wollen wissen, was mit ihrem Beitrag passiert. Drittens Vernachlässigung der analogen Kanäle – nicht alle Menschen erreicht man über Instagram.
Die Lösung ist keine teure Kampagne, sondern Disziplin: regelmäßig, verständlich, ehrlich kommunizieren. Mit den Menschen sprechen, nicht über ihre Köpfe hinweg. Lokale Gesichter zeigen, nicht anonyme Vereinslogos.
Persönliche Veranstaltungen, Flyer und Gemeindezeitung für die Erstansprache.
Hintergrundinformationen dazu veröffentlicht Wiener Zeitung.
Häufige Fragen
Wie gewinnt eine Energiegemeinschaft ihre ersten Mitglieder?
Durch persönliche Ansprache und eine gut vorbereitete Informationsveranstaltung. Die ersten Mitglieder kommen fast immer aus dem direkten Umfeld der Gründerinnen und Gründer – Nachbarn, Bekannte, Vereinskollegen. Von dort wächst die Gemeinschaft durch Empfehlung.
Welche Kommunikationskanäle sind für Energiegemeinschaften am wichtigsten?
Persönliche Veranstaltungen, Flyer und Gemeindezeitung für die Erstansprache. Website und E-Mail-Newsletter für die laufende Information. Social Media kann ergänzend eingesetzt werden, ersetzt aber den persönlichen Kontakt nicht.
Wie erklärt man das Modell Energiegemeinschaft einfach?
Am besten mit einem konkreten Beispiel und einer Analogie: „Auf dem Dach wird Strom erzeugt, der direkt in die Wohnungen im Haus fließt. Was übrig bleibt, geht ins Netz. Sie zahlen weniger, weil Sie lokalen Strom nutzen statt zugekauften.” Ein einfaches Schaubild unterstützt die Erklärung.
Muss eine Energiegemeinschaft professionelle Kommunikation betreiben?
Nicht im Sinne einer teuren Agenturbeauftragung. Aber eine bewusste, regelmäßige und verständliche Kommunikation ist unverzichtbar. Dafür braucht es innerhalb der Gemeinschaft eine verantwortliche Person, die Texte schreibt, Veranstaltungen organisiert und Anfragen beantwortet.
Welche rechtlichen Informationspflichten haben Energiegemeinschaften?
Energiegemeinschaften müssen ihre Mitglieder über Rechte, Pflichten und Konditionen informieren. Die genauen Anforderungen ergeben sich aus dem EAG und den Statuten des Vereins bzw. der Genossenschaft. Eine transparente laufende Berichterstattung über Erzeugung, Verbrauch und Finanzen ist empfehlenswert.
Vertiefen Sie das Thema: Energiegemeinschaften im Wiener Grätzel sowie Energiewende kommunizieren und Vertrauen aufbauen.
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