Nachhaltigkeit im Tourismus: Zertifizierung

Nachhaltigkeit im Tourismus: Zertifizierung

Ein Hotel in Tirol trägt das Österreichische Umweltzeichen. Es hat in Wärmepumpen investiert, die Küche kauft regional, die Reinigung arbeitet ohne Chlor. Auf der Website steht das Logo des Umweltzeichens – klein, in der Fußzeile, neben zwanzig anderen Logos. Kein Gast klickt darauf. Kein Gast weiß, was es bedeutet. Die Zertifizierung hat Geld und Arbeit gekostet. Die kommunikative Rendite ist gleich null.

Das ist kein Einzelfall. Viele Tourismusbetriebe investieren in Nachhaltigkeitszertifizierungen, ohne anschließend darüber zu sprechen – oder sie sprechen darüber in einer Weise, die niemanden erreicht. Ein Logo in der Fußzeile ist keine Kommunikation. Eine Aufzählung von Zertifikaten auf der „Über uns”-Seite ist keine Geschichte. Und ein Social-Media-Post mit dem Satz „Wir sind jetzt zertifiziert!” verhallt nach 24 Stunden. RAFFEINER REPUTATION arbeitet mit Tourismusbetrieben und -verbänden daran, Zertifizierungen kommunikativ wirksam einzusetzen – ehrlich, konkret und ohne Übertreibung. Silva Leschner, ISO-zertifizierte ESG-Spezialistin und Agenturleitung bei RAFFEINER REPUTATION, kennt beide Seiten: die Anforderungen der Zertifizierungssysteme und die Erwartungen der Gäste. Unseren Ansatz finden Sie auf der Expertise-Seite.

Der Schlüssel liegt nicht im Zertifikat selbst. Er liegt in der Fähigkeit, das, wofür das Zertifikat steht, in eine Sprache zu übersetzen, die Gäste verstehen und die ihnen bei der Buchungsentscheidung hilft.

Welche Zertifizierungen es gibt: Ein Überblick

Der Markt für Nachhaltigkeitszertifizierungen im Tourismus ist unübersichtlich. Das allein ist schon ein Kommunikationsproblem. Gäste können die verschiedenen Labels nicht unterscheiden, und viele Betriebe wissen selbst nicht genau, welches Zertifikat für sie das richtige wäre.

Österreichisches Umweltzeichen. Das bekannteste nationale Label, vergeben vom Bundesministerium für Klimaschutz. Es deckt Beherbergung, Gastronomie und Veranstaltungsstätten ab. Die Kriterien umfassen Energieeffizienz, Abfallmanagement, regionale Beschaffung und Mitarbeitersensibilisierung. Für österreichische Betriebe ist es der naheliegende Einstieg – national anerkannt, staatlich geprüft und mit vergleichsweise moderatem Aufwand erreichbar.

Weitere Perspektiven dazu finden sich bei respACT - Austrian Business Council for Sustainable Development.

EU Ecolabel. Das europäische Pendant, das in allen EU-Mitgliedstaaten gilt. Der Vorteil: internationale Wiedererkennung, besonders relevant für Betriebe mit hohem Anteil internationaler Gäste. Die Kriterien sind mit dem Österreichischen Umweltzeichen vergleichbar, der Aufwand etwas höher.

Green Globe. Ein internationales Zertifizierungssystem mit stärkerem Fokus auf Managementsysteme und kontinuierliche Verbesserung. Weniger verbreitet in Österreich, aber relevant für Betriebe, die sich international positionieren wollen.

Der Betrieb tut viel, sagt aber nichts, weil er befürchtet, dass jedes Wort über Nachhaltigkeit als Angeberei oder Beschönigung interpretiert wird.

Daneben gibt es regionale Labels, branchenspezifische Auszeichnungen und Selbstverpflichtungsinitiativen. Die Orientierungsleistung für Gäste sinkt mit jedem zusätzlichen Label. Was für die Kommunikation bedeutet: Nicht die Anzahl der Zertifikate zählt, sondern die Klarheit, mit der ein Betrieb erklärt, wofür sein Zertifikat steht.

Zertifizierung kommunizieren: Ohne Greenwashing

Die größte Angst vieler Betriebe: als Greenwasher dazustehen. Wie man Greenwashing vermeidet und glaubwürdig kommuniziert, ist eine Grundvoraussetzung. Diese Angst ist berechtigt – aber sie führt oft zum Gegenteil des Gewünschten: zum Schweigen. Der Betrieb tut viel, sagt aber nichts, weil er befürchtet, dass jedes Wort über Nachhaltigkeit als Angeberei oder Beschönigung interpretiert wird.

Die Lösung ist keine Zurückhaltung, sondern Präzision. Drei Regeln, die Greenwashing verhindern:

Konkret statt vage. Nicht „wir setzen auf Nachhaltigkeit”, sondern „wir beziehen 80 Prozent unserer Lebensmittel von Lieferanten im Umkreis von 50 Kilometern”. Nicht „wir reduzieren Emissionen”, sondern „seit der Umstellung auf Wärmepumpe heuer haben wir unseren Gasverbrauch um 60 Prozent gesenkt”.

Ehrlich statt vollständig. Kein Betrieb ist in allem nachhaltig. Wer das behauptet, lügt. Wer hingegen sagt „In der Küche sind wir weit. Bei der Anreise unserer Gäste haben wir noch keine gute Lösung”, wirkt glaubwürdig. Gäste schätzen Ehrlichkeit mehr als Perfektion.

Prozess statt Zustand. Ein Zertifikat ist kein Endzustand, sondern ein Meilenstein. Betriebe, die ihre Zertifizierung als Teil eines laufenden Prozesses erzählen – „Letztes Jahr haben wir das Umweltzeichen erhalten, heuer arbeiten wir an der Reduktion von Einwegverpackungen” –, zeigen, dass Nachhaltigkeit kein PR-Projekt ist, sondern eine Haltung.

Gästeerwartungen: Was Reisende wirklich wollen

Studien zeigen regelmäßig: Nachhaltigkeit beeinflusst die Buchungsentscheidung – aber nicht so, wie viele Betriebe glauben. Die wenigsten Gäste suchen gezielt nach zertifizierten Hotels. Was sie tun: Sie reagieren auf konkrete Informationen, die ihnen zeigen, dass ein Betrieb verantwortungsvoll arbeitet.

Die kommunikative Konsequenz: Zertifizierungen nicht als abstraktes Label präsentieren, sondern in konkrete Gästeerlebnisse übersetzen. „Unser Umweltzeichen bedeutet für Sie: regionales Frühstück, schadstofffreie Zimmerreinigung und ein Pool, der mit Solarenergie beheizt wird.” Das versteht jeder. Was ein Kriterienkatalog des Umweltzeichens enthält, versteht fast niemand.

Vertiefende Informationen dazu bietet WKO Nachhaltigkeit.

Kosten und Nutzen: Die ehrliche Rechnung für kleine Betriebe

Ein Gasthof mit zwanzig Betten steht vor einer anderen Rechnung als ein Vier-Sterne-Hotel mit hundertfünfzig Zimmern. Die Zertifizierungskosten – Gebühren, Beratung, Anpassungsmaßnahmen, Prüfung – sind für kleine Betriebe relativ gesehen höher. Die Frage „Lohnt sich das?” ist berechtigt.

Die ehrliche Antwort: Es lohnt sich, wenn der Betrieb die Zertifizierung als Managementtool nutzt und kommunikativ aktiviert. Wer zertifiziert wird, aber nichts daran ändert, wie er kommuniziert, hat nur Kosten. Wer die Zertifizierung zum Anlass nimmt, seine Nachhaltigkeitsleistung sichtbar zu machen – auf der Website, in Buchungsbestätigungen, im Gästekontakt, in der lokalen Medienarbeit –, gewinnt ein Differenzierungsmerkmal, das in einem zunehmend preissensiblen Markt den Unterschied machen kann.

Für kleine Betriebe empfiehlt RAFFEINER REPUTATION oft einen gestuften Ansatz: Zuerst die internen Maßnahmen umsetzen, die sich ohnehin rechnen – Energieeffizienz, Abfallreduktion, regionale Beschaffung. Dann die Kommunikation darüber aufbauen. Und erst wenn beides steht, die formale Zertifizierung anstreben. So entsteht die Zertifizierung nicht als Kosten-Projekt, sondern als natürlicher nächster Schritt.

Zertifizierung als Prozess: Nicht als Plakette

Das Österreichische Umweltzeichen muss alle vier Jahre erneuert werden. Das ist kein Nachteil – es ist ein Vorteil. Denn es zwingt den Betrieb, seine Nachhaltigkeitsleistung regelmäßig zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

In der Kommunikation lässt sich daraus eine fortlaufende Erzählung machen: Die Erst-Zertifizierung als Startpunkt, jede Verlängerung als Beleg für Kontinuität, und dazwischen genug Material für regelmäßige Updates. Ein Betrieb, der die Zertifizierung als Prozess kommuniziert, baut Vertrauen auf. Ein Betrieb, der sie als einmalige Auszeichnung behandelt, verschenkt diese Chance.

Hintergrundinformationen dazu veröffentlicht European Commission - Sustainable Finance.

Das Österreichische Umweltzeichen muss alle vier Jahre erneuert werden.

Vertiefen Sie das Thema: Alpine Nachhaltigkeit in Skigebieten kommunizieren sowie Content Marketing im Tourismus und SEO.


Häufige Fragen

Welche Zertifizierung ist für einen österreichischen Tourismusbetrieb am sinnvollsten?

Für die meisten Betriebe ist das Österreichische Umweltzeichen der beste Einstieg: national bekannt, staatlich geprüft, mit vertretbarem Aufwand erreichbar. Betriebe mit hohem Anteil internationaler Gäste können das EU Ecolabel ergänzend in Betracht ziehen. Wichtiger als die Wahl des Labels ist die Frage, ob der Betrieb bereit ist, die Zertifizierung auch kommunikativ zu nutzen.

Schützt eine Zertifizierung vor Greenwashing-Vorwürfen?

Sie hilft, aber sie schützt nicht automatisch. Eine Zertifizierung belegt, dass ein unabhängiger Prüfer die Nachhaltigkeitsleistung bestätigt hat. Aber wenn der Betrieb darüber hinaus übertriebene Behauptungen aufstellt – etwa „klimaneutrales Hotel” ohne Nachweis –, schützt auch das Label nicht vor Kritik. Die Zertifizierung ist eine Grundlage, keine Absicherung für beliebige Aussagen.

Wie kommuniziert man eine Zertifizierung gegenüber Gästen?

Nicht als Logo in der Fußzeile, sondern als Teil der Gästeerfahrung. Auf der Website erklären, was die Zertifizierung konkret bedeutet: regionale Küche, schadstofffreie Reinigung, Energieeffizienz. In der Buchungsbestätigung einen kurzen Hinweis einfügen. Vor Ort – im Zimmer, im Restaurant – die Maßnahmen sichtbar machen, ohne belehrend zu wirken.

Lohnt sich eine Zertifizierung für einen kleinen Gasthof?

Ja, wenn die internen Maßnahmen ohnehin geplant sind und die Zertifizierung als Kommunikationsanlass genutzt wird. Nein, wenn sie nur als Pflichtübung betrachtet wird. Für sehr kleine Betriebe kann auch der Weg ohne formale Zertifizierung sinnvoll sein – die Maßnahmen umsetzen und selbst darüber kommunizieren, ohne den formalen Prüfprozess.

Erwarten Gäste heute Nachhaltigkeitszertifizierungen?

Die meisten Gäste erwarten keine bestimmte Zertifizierung, aber sie erwarten zunehmend, dass Betriebe verantwortungsvoll handeln. Eine Zertifizierung ist eine Möglichkeit, diese Erwartung zu belegen. Aber auch ohne Zertifikat können Betriebe Vertrauen aufbauen – durch transparente Kommunikation über das, was sie tun.


Sie wollen Ihre Nachhaltigkeitszertifizierung kommunikativ aktivieren? Kontaktieren Sie RAFFEINER REPUTATION – wir bringen Ihre Leistung in eine Sprache, die Gäste verstehen.


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