Der VSME-Standard (Voluntary Standard for non-listed Small and Medium-sized Enterprises) ist ein freiwilliger Berichtsstandard, der kleinen und mittleren Unternehmen eine strukturierte, aber verhältnismäßige Nachhaltigkeitsberichterstattung ermöglicht. Entwickelt von der EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group), richtet er sich an KMU, die nicht unter die Berichtspflicht der CSRD fallen, aber trotzdem transparent über ihre Nachhaltigkeitsleistungen berichten wollen – oder müssen, weil Geschäftspartner es verlangen.
RAFFEINER REPUTATION begleitet Unternehmen in Österreich bei der strategischen Kommunikation rund um Nachhaltigkeitsberichterstattung. Silva Leschner, Agenturleiterin und ISO-zertifizierte ESG-Expertin, berät Unternehmen an der Schnittstelle zwischen regulatorischen Anforderungen und glaubwürdiger Kommunikation. Der VSME-Standard ist dabei ein zentrales Instrument – weil er KMU einen pragmatischen Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung bietet, ohne den Aufwand der vollumfänglichen ESRS.
Für KMU stellt sich die Frage immer konkreter: Wie berichte ich über Nachhaltigkeit, ohne den Betrieb lahmzulegen? Der VSME liefert darauf eine strukturierte Antwort.
Was der VSME-Standard ist – und was er nicht ist
Der VSME ist kein Gesetz. Er begründet keine Berichtspflicht. Er ist ein freiwilliger Standard, den die EFRAG im Rahmen der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt hat. Sein Zweck: KMU, die nicht unter die CSRD fallen, eine proportionate – also ihren Ressourcen angemessene – Berichtsstruktur zu geben.
Der Standard ist deutlich schlanker als die ESRS (European Sustainability Reporting Standards), die für große und börsennotierte Unternehmen gelten – die Unterschiede zwischen GRI und ESRS als Berichtsstandard erklären wir in einem eigenen Beitrag. Während die ESRS über tausend Datenpunkte umfassen können, konzentriert sich der VSME auf die wesentlichen Themen, die für KMU relevant und machbar sind.
Weiterführend dazu empfiehlt sich PRVA - Public Relations Verband Austria.
Wichtig: Der VSME ist kein „ESRS light”. Er ist ein eigenständiger Standard mit eigener Logik, eigenen Anforderungen und einem eigenen Ambitionsniveau. Wer den VSME nutzt, muss sich nicht am ESRS messen lassen – aber er berichtet auf einer anerkannten, europäischen Grundlage.
Die Struktur des VSME
Der VSME-Standard gliedert sich in Module mit unterschiedlichem Detailgrad:
Basis-Modul
Das Basis-Modul enthält grundlegende Angaben, die jedes berichtende KMU machen sollte. Dazu gehören:
Weitere Perspektiven dazu finden sich bei respACT - Austrian Business Council for Sustainable Development.
Er ist ein eigenständiger Standard mit eigener Logik, eigenen Anforderungen und einem eigenen Ambitionsniveau.
Allgemeine Unternehmensinformationen. Branche, Standort, Mitarbeiterzahl, Geschäftsmodell – die Grundlagen, die den Kontext für alle weiteren Angaben liefern.
Wesentliche Nachhaltigkeitsthemen. Welche Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen sind für das Unternehmen relevant? Der VSME verlangt eine vereinfachte Wesentlichkeitsanalyse – also eine systematische Identifikation der Themen, die für das Unternehmen und seine Anspruchsgruppen am wichtigsten sind.
Energie und Treibhausgasemissionen. Energieverbrauch und CO₂-Emissionen – zumindest Scope 1 und Scope 2. Scope-3-Emissionen (also die Emissionen in der Lieferkette) sind im Basis-Modul nicht verpflichtend, können aber im erweiterten Modul berichtet werden.
Mitarbeitende. Grundlegende Sozialindikatoren wie Mitarbeiterzahl, Fluktuation, Arbeitsschutzmaßnahmen und Diversitätskennzahlen.
Governance. Wie ist Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung verankert? Gibt es Verantwortlichkeiten, Ziele, Prozesse?
Erweiterte Module
Die erweiterten Module gehen in einzelnen Themenfeldern tiefer – etwa bei Biodiversität, Wasserverbrauch, Kreislaufwirtschaft oder sozialen Themen in der Lieferkette. KMU können selbst entscheiden, welche erweiterten Module für sie relevant sind. Das ist der zentrale Unterschied zum ESRS: Beim VSME bestimmt das Unternehmen den Umfang, nicht der Regulator.
Warum KMU freiwillig berichten sollten
Die Berichtspflicht der CSRD betrifft große Unternehmen und kapitalmarktorientierte KMU. Die meisten kleinen und mittleren Betriebe in Österreich sind davon ausgenommen. Warum sollten sie trotzdem berichten?
Druck aus der Lieferkette. Große Unternehmen, die nach CSRD berichten müssen, brauchen Daten von ihren Zulieferern. Wer als KMU diese Daten nicht liefern kann, riskiert Aufträge. Der VSME gibt eine Struktur vor, die diese Datenanforderungen bedient – in einem Format, das Geschäftspartner akzeptieren.
Hintergrundinformationen dazu veröffentlicht Umweltbundesamt Österreich.
Zugang zu Finanzierung. Banken und Investoren berücksichtigen ESG-Kriterien zunehmend bei Kreditentscheidungen. Die EU-Taxonomie-Verordnung verschärft diesen Trend. Ein VSME-Bericht zeigt Finanzinstituten, dass sich das Unternehmen systematisch mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt.
Arbeitgeberattraktivität. Jüngere Fachkräfte fragen nach Nachhaltigkeitsleistungen. Ein transparenter Bericht – auch wenn er freiwillig ist – signalisiert Ernsthaftigkeit. Das ist kein weiches Argument, sondern ein handfester Wettbewerbsvorteil auf einem engen Arbeitsmarkt.
Strategischer Vorsprung. Wer heute freiwillig berichtet, ist vorbereitet, wenn die Pflicht irgendwann doch kommt. Die CSRD-Berichtspflicht in Österreich betrifft immer mehr Unternehmen. Die regulatorische Entwicklung in der EU zeigt klar in Richtung mehr Transparenz, nicht weniger.
VSME vs. ESRS: Die wichtigsten Unterschiede
| Kriterium | ESRS | VSME |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Große/börsennotierte Unternehmen | Nicht-börsennotierte KMU |
| Rechtsverbindlichkeit | Pflicht (unter CSRD) | Freiwillig |
| Umfang | Über 1.000 mögliche Datenpunkte | Deutlich reduziert |
| Wesentlichkeitsanalyse | Doppelte Wesentlichkeit | Vereinfacht |
| Scope-3-Emissionen | Pflicht (bei Wesentlichkeit) | Optional |
| Prüfungspflicht | Ja (Limited Assurance) | Nein |
| Modularer Aufbau | Themenstandards | Basis + Wahlmodule |
Wie KMU den VSME praktisch umsetzen
Schritt 1: Wesentlichkeitsanalyse
Identifizieren Sie die Nachhaltigkeitsthemen, die für Ihr Unternehmen tatsächlich relevant sind. Nicht jedes KMU muss über Biodiversität berichten – aber fast jedes über Energieverbrauch und Mitarbeitende. Sprechen Sie mit Ihren wichtigsten Anspruchsgruppen: Kunden, Mitarbeitende, Geschäftspartner. Was erwarten sie?
Schritt 2: Daten sammeln
Die größte Hürde für KMU: Viele Daten liegen nicht in der benötigten Form vor. Energieverbrauch? Steht in der Stromrechnung. CO₂-Emissionen? Müssen berechnet werden. Mitarbeiterfluktuation? Steht vielleicht nirgends systematisch. Beginnen Sie mit dem, was verfügbar ist, und bauen Sie die Datenbasis schrittweise auf.
Ergänzend dazu informiert Der Standard.
Schritt 3: Bericht erstellen
Der VSME-Bericht muss kein 200-Seiten-Dokument sein. Für ein kleines KMU können 15 bis 30 Seiten ausreichen. Entscheidend ist die Substanz, nicht der Umfang. Berichten Sie ehrlich: Was läuft gut, wo gibt es Handlungsbedarf? Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Transparenz.
Schritt 4: Kommunikation
Ein Nachhaltigkeitsbericht, den niemand liest, hat keinen Wert. Kommunizieren Sie die Ergebnisse aktiv – auf Ihrer Website, in Kundengesprächen, gegenüber Geschäftspartnern. RAFFEINER REPUTATION unterstützt KMU dabei, ihre Nachhaltigkeitsleistungen so zu kommunizieren, dass sie ankommen – ohne in Greenwashing-Fallen zu tappen.
Typische Fehler bei der freiwilligen Berichterstattung
Zu viel auf einmal. Manche KMU wollen im ersten Bericht alles abdecken. Das überfordert die internen Ressourcen und führt zu oberflächlichen Aussagen. Besser: mit dem Basis-Modul beginnen und schrittweise erweitern.
Die EFRAG hat den VSME-Standard zur Konsultation vorgelegt.
Nur Positives berichten. Ein Bericht, der nur Erfolge enthält, ist unglaubwürdig. Benennen Sie auch Herausforderungen und Ziele, die Sie noch nicht erreicht haben. Das stärkt die Glaubwürdigkeit erheblich.
Den Bericht einmal erstellen und dann vergessen. Nachhaltigkeitsberichterstattung ist ein jährlicher Prozess. Die Daten müssen jedes Jahr erhoben, die Fortschritte dokumentiert, die Ziele angepasst werden.
Häufige Fragen
Ist der VSME-Standard schon final?
Die EFRAG hat den VSME-Standard zur Konsultation vorgelegt. Die Grundstruktur steht, aber einzelne Anforderungen können sich noch ändern. Für Unternehmen, die jetzt mit der freiwilligen Berichterstattung beginnen wollen, ist der aktuelle Stand eine solide Grundlage.
Muss ein VSME-Bericht geprüft werden?
Nein. Anders als bei der CSRD gibt es keine Prüfungspflicht für VSME-Berichte. Eine freiwillige externe Prüfung kann die Glaubwürdigkeit erhöhen, ist aber nicht erforderlich.
Was kostet eine VSME-Berichterstattung?
Für ein kleines KMU, das zum ersten Mal berichtet, liegt der Aufwand je nach Branche und Datenverfügbarkeit bei einigen Wochen interner Arbeit plus externer Beratung. Die Kosten für die Beratung beginnen im niedrigen fünfstelligen Bereich. In den Folgejahren sinkt der Aufwand erheblich, weil die Datenstrukturen stehen.
Kann ich den VSME-Bericht als Grundlage für einen späteren ESRS-Bericht nutzen?
Ja, das ist einer der strategischen Vorteile. Die Datenstrukturen und Themenfelder des VSME sind kompatibel mit den ESRS. Wer heute VSME berichtet, hat bei einer späteren Ausweitung auf ESRS einen deutlichen Vorsprung.
Für welche Branchen ist der VSME besonders relevant?
Für alle KMU, die in Lieferketten großer, berichtspflichtiger Unternehmen eingebunden sind – also Zulieferer, Dienstleister und Partner in Branchen wie Industrie, Bau, Energie, Handel und Logistik. Aber auch für KMU, die sich als Arbeitgeber positionieren oder Zugang zu ESG-sensiblen Finanzierungen suchen.
Vertiefen Sie das Thema: CSRD-Berichtspflicht in Österreich sowie Nachhaltigkeit für KMU – erste Schritte.
Sie wollen als KMU mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung beginnen – ohne sich zu überfordern? Sprechen Sie mit RAFFEINER REPUTATION über den VSME-Standard und Ihre Möglichkeiten.