Nachhaltigkeit im KMU: Erste Schritte

Nachhaltigkeit im KMU: Erste Schritte

Ein Installateurbetrieb mit zwölf Mitarbeitern in Niederösterreich steht nicht vor denselben Nachhaltigkeitsfragen wie ein börsenotierter Energiekonzern. Und doch erreicht das Thema auch ihn – über Kundenanfragen, über Ausschreibungskriterien, über die Erwartungen junger Fachkräfte, die wissen wollen, wofür ihr Arbeitgeber steht. Nachhaltigkeit ist für KMU längst kein freiwilliges Zusatzprogramm mehr. Aber sie muss anders angegangen werden als bei Großunternehmen. Pragmatischer. Ehrlicher. Und ohne den Anspruch, alles gleichzeitig zu lösen.

Der erste Schritt ist nicht ein Nachhaltigkeitsbericht. Der erste Schritt ist die Frage: Was tun wir bereits – und wo haben wir den größten Hebel? Die meisten KMU sind weiter, als sie glauben. Sie bilden Lehrlinge aus, sie kaufen regional ein, sie halten Maschinen lange in Betrieb statt sie zu ersetzen. Nur: Sie sprechen nicht darüber. Oder sie sprechen darüber in einer Sprache, die nach Hochglanzbroschüre klingt, statt nach dem, was sie tatsächlich tun. RAFFEINER REPUTATION begleitet KMU bei diesem Prozess – von der Bestandsaufnahme bis zur glaubwürdigen Kommunikation. Silva Leschner, ISO-zertifizierte ESG-Spezialistin und Agenturleitung bei RAFFEINER REPUTATION, kennt die Schnittstelle zwischen Regulatorik und Unternehmensrealität. Mehr zu unserem Ansatz finden Sie auf der Expertise-Seite.

Was KMU nicht brauchen: teure Berater, die ihnen einen 80-seitigen Bericht schreiben, der in der Schublade landet. Was sie brauchen: einen klaren Fahrplan mit realistischen Schritten, die zum Betrieb passen.

Wesentliche Themen identifizieren: Nicht alles ist gleich wichtig

Nachhaltigkeit umfasst Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – das berühmte ESG-Dreieck. Für ein KMU ist es weder realistisch noch sinnvoll, in allen drei Bereichen gleichzeitig auf höchstem Niveau zu agieren. Die erste Aufgabe ist deshalb: herausfinden, welche Themen für das eigene Unternehmen tatsächlich wesentlich sind.

Ein Produktionsbetrieb wird seinen größten Hebel im Energieverbrauch und in der Materialeffizienz finden. Ein Dienstleistungsunternehmen eher bei Arbeitsbedingungen, Diversität und Lieferantenauswahl. Ein Handwerksbetrieb bei der Ausbildung von Fachkräften und bei regionaler Wertschöpfung.

Einen branchenrelevanten Überblick liefert European Commission - Sustainable Finance.

Diese Wesentlichkeitsanalyse muss nicht die Komplexität haben, die große Unternehmen unter der CSRD durchlaufen. Aber sie muss ehrlich sein. Es bringt nichts, ein Thema zu priorisieren, weil es in der Branche gerade populär ist, wenn es für den eigenen Betrieb kaum Relevanz hat. Besser: drei Themen auswählen, bei denen man tatsächlich etwas verändern kann, und dort konsequent arbeiten.

Es bringt nichts, ein Thema zu priorisieren, weil es in der Branche gerade populär ist, wenn es für den eigenen Betrieb kaum Relevanz hat.

Quick Wins: Klein anfangen, sichtbar handeln

KMU, die mit Nachhaltigkeit beginnen, brauchen frühe Erfolge. Nicht zur Selbstbeweihräucherung – sondern weil konkrete Maßnahmen die Motivation im Team stärken und die Glaubwürdigkeit nach außen erhöhen.

Typische Quick Wins, die sich für viele KMU eignen:

Energiecheck. Ein professioneller Energieberater identifiziert in den meisten Betrieben Einsparpotenziale, die sich innerhalb weniger Jahre amortisieren. LED-Umstellung, Heizungsoptimierung, Druckluftleckagen beheben – das sind keine Großinvestitionen, aber sie reduzieren Kosten und CO₂ gleichzeitig.

Lieferantenbewertung. Wer seine wichtigsten Lieferanten nach Nachhaltigkeitskriterien befragt, gewinnt einen Überblick über die eigene Lieferkette – und signalisiert gleichzeitig, dass das Thema im Einkauf angekommen ist. Keine umfassende Lieferkettenprüfung, aber ein Anfang.

Abfallanalyse. Was wird weggeworfen? Welche Abfallströme lassen sich vermeiden, trennen oder verwerten? Viele KMU finden hier überraschende Potenziale – auch finanziell.

Mitarbeiterbefragung. Was denken die Beschäftigten über Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb? Welche Ideen haben sie? Eine einfache Befragung liefert oft mehr brauchbare Ansätze als ein externer Berater.

Kernaussage

Ein professioneller Energieberater identifiziert in den meisten Betrieben Einsparpotenziale, die sich innerhalb weniger Jahre amortisieren.

Datenerhebung: Was man messen muss – und was nicht

„Was man nicht misst, kann man nicht managen” – der Satz stimmt grundsätzlich. Aber er darf nicht zum Vorwand werden, ein KMU mit Datenerhebung zu überfordern. Für den Einstieg genügen wenige Kennzahlen, die regelmäßig erhoben werden.

Drei Basiskennzahlen, die nahezu jedes KMU erheben kann: Energieverbrauch (Strom, Gas, Treibstoff), Abfallmenge (nach Fraktionen) und Mitarbeiterfluktuation. Diese Zahlen existieren in der Regel bereits – in der Buchhaltung, im Abfallwirtschaftskonzept, in der Personalverwaltung. Sie müssen nur zusammengeführt und über die Jahre verglichen werden.

Weitere Perspektiven dazu finden sich bei respACT - Austrian Business Council for Sustainable Development.

Wer weiter gehen will, ergänzt: CO₂-Fußabdruck (zumindest Scope 1 und 2), Wasserverbrauch, Weiterbildungsstunden pro Mitarbeiter, Anteil regionaler Beschaffung. Aber: lieber wenige Zahlen sauber erheben als viele Zahlen schlecht.

VSME: Der Standard für kleine Unternehmen

Für KMU, die einen strukturierten Rahmen suchen, bietet der VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) einen pragmatischen Einstieg. Er wurde als vereinfachte Variante der europäischen Berichtsstandards entwickelt – freiwillig, aber kompatibel mit den ESRS.

Der VSME ist modular aufgebaut. Unternehmen können mit einem Basismodul starten, das die wichtigsten Kennzahlen abdeckt, und bei Bedarf erweitern. Das senkt die Einstiegshürde erheblich. Gleichzeitig schafft der Standard eine Struktur, die auch Banken, Kunden und Geschäftspartner verstehen – ein praktischer Vorteil, wenn Nachhaltigkeitsdaten in Ausschreibungen oder Finanzierungsgesprächen gefragt sind. Eine vertiefte Einordnung bietet unser Beitrag zur VSME-Berichterstattung fuer KMU.

Kommunikation: Transparenz statt Perfektion

Hier liegt die größte Falle für KMU. Der Drang, erst dann über Nachhaltigkeit zu sprechen, wenn alles perfekt ist. Die Angst vor dem Greenwashing-Vorwurf. Die Unsicherheit, ob das, was man tut, überhaupt erwähnenswert ist.

Die Antwort: Ja. Aber richtig. Glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation für KMU folgt einem einfachen Prinzip – sagen, was man tut, sagen, was man noch nicht tut, und sagen, was man als Nächstes vorhat. Keine Übertreibung, keine Versprechen, die man nicht halten kann. Dafür: konkrete Maßnahmen, nachvollziehbare Zahlen und die Bereitschaft, auch über Schwierigkeiten zu sprechen.

Ergänzend dazu informiert Wirtschaftskammer Österreich.

Ein Tischlereibetrieb, der berichtet, dass er heuer seinen Holzverschnitt um 15 Prozent reduziert hat und im nächsten Jahr auf regionale Zulieferer für Beschläge umstellen will – das ist glaubwürdig. Ein Tischlereibetrieb, der sich als „klimaneutrales Unternehmen” bezeichnet, ohne erklären zu können, was das bedeutet – das ist ein Risiko.

RAFFEINER REPUTATION empfiehlt KMU, Nachhaltigkeit dort zu kommunizieren, wo sie relevant ist: auf der Website, in Kundengesprächen, bei Bewerbungsgesprächen, in Ausschreibungsunterlagen. Nicht als eigene Kampagne, sondern als Teil der Unternehmenserzählung. Wie man dabei Greenwashing vermeidet und glaubwuerdig kommuniziert, beschreiben wir in einem eigenen Beitrag.

Vertiefen Sie das Thema: Greenwashing vermeiden sowie Nachhaltigkeit in der Lieferkette kommunizieren.

Ein Tischlereibetrieb, der sich als „klimaneutrales Unternehmen” bezeichnet, ohne erklären zu können, was das bedeutet – das ist ein Risiko.


Häufige Fragen

Müssen KMU einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?

Die CSRD-Berichtspflicht trifft KMU erst ab bestimmten Schwellenwerten (Bilanzsumme, Umsatz, Mitarbeiterzahl). Viele KMU sind davon nicht direkt betroffen. Allerdings können Geschäftspartner, Banken oder öffentliche Auftraggeber Nachhaltigkeitsdaten einfordern – der VSME-Standard bietet dafür einen geeigneten Rahmen.

Was kostet der Einstieg in Nachhaltigkeit für ein KMU?

Weniger, als die meisten befürchten. Eine Bestandsaufnahme, die Auswahl wesentlicher Themen und erste Quick Wins lassen sich mit überschaubarem Budget umsetzen. Der größte Aufwand ist nicht finanziell, sondern organisatorisch: Jemand im Unternehmen muss die Verantwortung übernehmen und Zeit dafür bekommen.

Wie vermeidet man Greenwashing-Vorwürfe?

Durch Ehrlichkeit. Nur kommunizieren, was man belegen kann. Nicht „klimaneutral” behaupten, wenn man Kompensationszertifikate kauft. Fortschritte benennen, aber auch offene Baustellen. Die stärkste Absicherung gegen Greenwashing: konkrete Zahlen, nachvollziehbare Maßnahmen und die Bereitschaft, über Fehler zu sprechen.

Was ist der VSME-Standard?

Der Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs ist ein vereinfachter, freiwilliger Berichtsrahmen für kleine und mittlere Unternehmen. Er ist kompatibel mit den europäischen ESRS, aber deutlich weniger umfangreich. Er bietet KMU eine Struktur, die auch von Banken und Geschäftspartnern als Nachweis akzeptiert wird.

Braucht ein KMU externe Beratung für den Einstieg?

Nicht zwingend, aber es hilft. Ein externer Blick identifiziert Potenziale, die intern übersehen werden, und verhindert typische Anfängerfehler. Wichtig ist, dass die Beratung zum Unternehmen passt – kein Großkonzern-Berater, der KMU-Realitäten nicht kennt.


Sie wollen mit Nachhaltigkeit im KMU beginnen – konkret, ehrlich und ohne Überforderung? Kontaktieren Sie RAFFEINER REPUTATION – wir begleiten den Einstieg mit ISO-zertifizierter ESG-Kompetenz.


Haben Sie Fragen oder möchten Sie mehr erfahren?

Kontakt aufnehmen