Lieferkette und Nachhaltigkeit: Was sagen?

Lieferkette und Nachhaltigkeit: Was sagen?

Die europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) macht Sorgfaltspflichten in der Lieferkette für große Unternehmen verpflichtend. Aber auch wer (noch) nicht unter die gesetzliche Pflicht fällt, steht vor der gleichen Frage: Wie kommuniziere ich meine Lieferketten-Verantwortung, ohne in die Greenwashing-Falle zu tappen? Die Antwort beginnt mit einer unbequemen Einsicht, die auch für die Lieferketten-Kommunikation in der Infrastruktur gilt — wer alles über seine Lieferkette behauptet, dem glaubt man nichts. Wer ehrlich sagt, wo er steht und wohin er will, baut Vertrauen auf.

Lieferketten-Kommunikation ist kein Selbstzweck. Sie reagiert auf reale Erwartungen: Konsumentinnen und Konsumenten fragen nach Herkunft. Investoren bewerten ESG-Risiken. Geschäftspartner fordern Nachweise. Medien recherchieren Missstände. RAFFEINER REPUTATION unterstützt Unternehmen dabei, diese Erwartungen strategisch zu adressieren – nicht mit Hochglanz-Claims, sondern mit nachvollziehbaren Aussagen, die einer Überprüfung standhalten.

Die regulatorische Dynamik ist eindeutig: Die EU-Lieferkettenrichtlinie (Corporate Sustainability Due Diligence Directive) verpflichtet Unternehmen ab bestimmten Größenschwellen zur Identifikation, Prävention und Behebung von Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Wertschöpfungsketten. Auch wenn die Umsetzungsfristen und Schwellenwerte in den EU-Mitgliedstaaten variieren – die Richtung ist klar. Wer heute mit der Kommunikation beginnt, hat einen Vorsprung vor jenen, die erst unter Druck reagieren.

Was berichten – und was nicht

Die größte Herausforderung in der Lieferketten-Kommunikation ist die Abgrenzung. Kein Unternehmen kennt jedes Glied seiner Lieferkette vollständig. Das ist keine Schande – es ist Realität. Aber es muss kommuniziert werden.

Berichten Sie, was Sie wissen. Welche Lieferanten haben Sie identifiziert? Welche Risikoanalysen haben Sie durchgeführt? Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Ergänzend dazu informiert European Commission - Sustainable Finance.

Berichten Sie, was Sie nicht wissen. Wo endet Ihre Sichtbarkeit? Welche Teile der Lieferkette sind Ihnen noch nicht zugänglich? Was tun Sie, um das zu ändern?

Berichten Sie Fortschritt, nicht Perfektion. Niemand erwartet eine fehlerfreie Lieferkette. Erwartet wird ein erkennbarer Prozess: Analyse, Maßnahmen, Überprüfung, Verbesserung. Dieser Kreislauf muss sichtbar sein.

Wenn eine Investigativrecherche Missstände aufdeckt, die im Nachhaltigkeitsbericht verschwiegen wurden, ist der Schaden größer als die Transparenz, die man sich gespart hat.

Die Versuchung ist groß, nur das Positive zu zeigen. Aber einseitige Darstellungen sind ein Reputationsrisiko. Wenn eine Investigativrecherche Missstände aufdeckt, die im Nachhaltigkeitsbericht verschwiegen wurden, ist der Schaden größer als die Transparenz, die man sich gespart hat.

Greenwashing-Risiken in der Lieferkette

Lieferketten-Claims gehören zu den greenwashing-anfälligsten Bereichen der Unternehmenskommunikation. Drei typische Fehler.

Unspezifische Versprechen. „Wir setzen auf faire Lieferketten” sagt nichts. Fair nach welchem Standard? In welchem Teil der Kette? Überprüft von wem? Ohne Spezifizierung ist jede Aussage angreifbar.

Zertifikats-Inflation. Ein Siegel pro Produktkategorie reicht nicht als Lieferketten-Strategie. Zertifizierungen sind Werkzeuge, keine Strategie. Sie belegen Einzelaspekte, nicht das Gesamtbild. Wer zwanzig Siegel aufzählt, aber keinen kohärenten Ansatz beschreiben kann, wirkt beliebig.

Lieferanten-Verlagerung statt Verbesserung. Manche Unternehmen lösen Lieferketten-Probleme, indem sie problematische Lieferanten einfach austauschen — ein Ansatz, den auch unser Beitrag zum Vermeiden von Greenwashing in der Kommunikation kritisch beleuchtet. Das mag kurzfristig das Risiko senken, aber es verbessert nichts in der realen Welt – und die Green Claims Directive der EU wird genau diese Unterscheidung einfordern.

Silva Leschner, ISO-zertifizierte ESG-Spezialistin und Agenturleiterin bei RAFFEINER REPUTATION, betont die Bedeutung der Substanz: Kommunikation muss immer auf überprüfbaren Fakten aufbauen. Wer über die eigene Lieferkette spricht, muss wissen, wovon er spricht – sonst wird die Kommunikation selbst zum Risiko.

Supplier Engagement: Kommunikation nach innen

Lieferketten-Kommunikation richtet sich nicht nur nach außen. Mindestens ebenso wichtig ist die Kommunikation mit den eigenen Lieferanten. Sorgfaltspflichten lassen sich nur umsetzen, wenn Lieferanten verstehen, was von ihnen erwartet wird – und warum.

Das bedeutet: klare Lieferantenrichtlinien, die nicht nur als PDF existieren, sondern aktiv kommuniziert und geschult werden. Es bedeutet auch: Dialog statt Diktat. Besonders bei kleineren Zulieferern in Schwellen- und Entwicklungsländern ist ein partnerschaftlicher Ansatz wirksamer als ein Forderungskatalog.

Die Kommunikation gegenüber Lieferanten umfasst: Erwartungen definieren und transparent machen, Unterstützung bei der Umsetzung anbieten (Schulungen, Ressourcen, gemeinsame Audits), Fortschritte anerkennen und Verbesserungen einfordern, und bei Verstößen klar und konsequent handeln – dokumentiert und nachvollziehbar.

Konsumenten vs. Geschäftskunden: Zwei Sprachen

Die Kommunikation über Lieferketten unterscheidet sich grundlegend je nach Zielgruppe.

Konsumentinnen und Konsumenten interessieren sich für konkrete Produktgeschichten: Woher kommt dieser Stoff? Wer hat diesen Käse produziert? Unter welchen Bedingungen wurde dieses Gerät montiert? Die Kommunikation muss einfach, visuell und emotional nachvollziehbar sein. QR-Codes auf Verpackungen, die zur Herkunftsgeschichte führen, kurze Videos aus der Produktion, nachvollziehbare Herkunftskarten.

Weiterführend dazu empfiehlt sich Global Reporting Initiative.

Geschäftskunden, Investoren und Regulatoren erwarten Systematik: Welcher Due-Diligence-Prozess liegt zugrunde? Welche Standards werden angewendet? Wie werden Risiken priorisiert? Hier zählen Berichte, Kennzahlen und Nachweise. Die CSRD-Berichtspflicht definiert zunehmend, welche Informationen in welcher Form offengelegt werden müssen.

Beide Zielgruppen gleichzeitig zu bedienen, erfordert eine abgestufte Kommunikationsarchitektur: einfache Botschaften für den Endkonsumenten, detaillierte Berichte für Fachpublikum. RAFFEINER REPUTATION entwickelt diese Architekturen gemeinsam mit Unternehmen – abgestimmt auf Branche, Größe und regulatorische Anforderungen. Mehr zu unserer ESG-Beratung finden Sie unter Expertise.

Aber Kommunikation, die nur das gesetzlich Geforderte abdeckt, verpasst die Chance, Vertrauen aufzubauen.

Was die Regulierung verlangt – und was darüber hinausgeht

Die CSDDD definiert Mindeststandards. Aber Kommunikation, die nur das gesetzlich Geforderte abdeckt, verpasst die Chance, Vertrauen aufzubauen. Unternehmen, die freiwillig mehr berichten, als sie müssen – transparent, selbstkritisch, mit klarem Verbesserungspfad – positionieren sich als verantwortungsvoll. Das ist kein PR-Trick, sondern ein strategischer Vorteil in einem Markt, in dem Lieferkettenrisiken zunehmend über Geschäftsbeziehungen entscheiden.

Vertiefen Sie das Thema: Nachhaltigkeit für KMU: Erste Schritte sowie Greenwashing vermeiden in der Unternehmenskommunikation.


Häufige Fragen

Müssen wir als KMU schon über unsere Lieferkette berichten?

Die CSDDD betrifft zunächst große Unternehmen. Aber KMU als Zulieferer werden von ihren Geschäftskunden zunehmend nach Lieferketten-Informationen gefragt. Wer proaktiv Transparenz schafft, stärkt seine Position als verlässlicher Partner – unabhängig von gesetzlichen Pflichten.

Wie vermeiden wir Greenwashing bei Lieferketten-Claims?

Drei Prinzipien: Nur behaupten, was Sie belegen können. Fortschritt zeigen, nicht Perfektion behaupten. Und Lücken ehrlich benennen. Die EU Green Claims Directive wird künftig konkrete Anforderungen an die Belegbarkeit von Umweltaussagen stellen – bereiten Sie sich jetzt darauf vor.

Wie kommunizieren wir einen Lieferketten-Vorfall?

Schnell, transparent und mit klarem Maßnahmenplan. Verschweigen ist keine Option – investigative Medien und NGOs recherchieren Lieferketten systematisch. Zeigen Sie, dass Sie den Vorfall erkannt haben, welche Sofortmaßnahmen Sie ergreifen und wie Sie Wiederholung verhindern. Verantwortung übernehmen stärkt Reputation. Vertuschen zerstört sie.

Welche Standards sind für die Lieferketten-Kommunikation relevant?

Die wichtigsten Rahmenwerke sind die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die OECD-Leitsätze, die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) im Rahmen der CSRD und branchenspezifische Initiativen. Welcher Standard für Ihr Unternehmen passt, hängt von Branche, Größe und Lieferkettenstruktur ab.


Sie wollen Ihre Lieferketten-Kommunikation auf ein solides Fundament stellen? Sprechen Sie mit RAFFEINER REPUTATION – wir verbinden ESG-Expertise mit strategischer Kommunikation.


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