Jede Region in Österreich hat eine Geschichte. Aber nicht jede Region kann ihre Geschichte erzählen. Die Alpen sind überall, Seen gibt es viele, und „Natur pur” sagt jeder. Im Destinationsmarketing gewinnt nicht, wer das schönste Bergpanorama hat, sondern wer am klarsten sagt, wofür die Region steht – und wofür nicht.
Erfolgreiches Destinationsmarketing beginnt nicht beim Logo oder der Kampagne. Es beginnt bei der strategischen Frage: Was macht diese Region besonders, und für wen? RAFFEINER REPUTATION arbeitet seit über einem Jahrzehnt mit Organisationen im alpinen Tourismus und dessen PR-Anforderungen und weiß: Die meisten Destinationen kommunizieren zu breit. Sie wollen alles sein – Wanderparadies, Kulinarik-Hotspot, Familienregion, Kulturziel. Am Ende erinnert sich niemand an sie, weil sie nicht greifbar werden.
Destination Branding ist die Disziplin, eine Region auf wenige, klare Merkmale zu verdichten – ohne sie zu verfälschen. Es geht darum, das Echte sichtbar zu machen. Nicht darum, etwas zu erfinden, das es nicht gibt.
Destination vs. Produkt: Der entscheidende Unterschied
Destinationsmarketing funktioniert grundsätzlich anders als Produktmarketing. Ein Produkt lässt sich gestalten, verändern, an den Markt anpassen. Eine Destination nicht. Sie ist, was sie ist: eine Landschaft, eine Kultur, eine Gemeinschaft. Marketing kann das interpretieren, aber nicht erfinden.
Der häufigste Fehler: Destinationen werden wie Produkte behandelt. Eine neue Kampagne, ein neues Logo, ein neuer Slogan – und die Region soll plötzlich anders wahrgenommen werden. Das funktioniert nicht, weil Destinationen keine leeren Marken sind. Sie haben eine gewachsene Identität, und diese Identität muss Ausgangspunkt jeder Kommunikation sein.
Hintergrundinformationen dazu veröffentlicht Interessenvertretung Österreich.
Gutes Destinationsmarketing arbeitet deshalb von innen nach außen. Erst die Identität klären, dann die Positionierung ableiten, dann kommunizieren. Nicht umgekehrt.
Hintergrundinformationen dazu veröffentlicht Interessenvertretung Österreich.
Overtourism: Kommunizieren, bevor es zu viel wird
Hallstatt, Innsbruck Altstadt, der Grüne See – in Österreich gibt es Orte, an denen Tourismus zur Belastung geworden ist. Overtourism ist nicht nur ein logistisches Problem, sondern auch ein kommunikatives. Denn die betroffenen Gemeinden stehen vor einem Dilemma: Sie leben vom Tourismus, aber sie ersticken an ihm.
Kommunikation kann Overtourism nicht lösen. Aber sie kann steuern. Drei Ansätze funktionieren in der Praxis.
Besucherlenkung durch Information. Wenn Sie Alternativen sichtbar machen – weniger bekannte Wanderwege, ruhigere Ortsteile, Nebensaison-Angebote – verteilen Sie Ströme, ohne zu verbieten. Die Sprache entscheidet: „Entdecken Sie den stillen Süden” wirkt anders als „Bitte vermeiden Sie den Hauptplatz”.
Transparenz über Kapazitäten. Einige Destinationen experimentieren mit Echtzeit-Informationen zu Besucherzahlen. Das ist ein kommunikativer Akt: Es sagt, wir nehmen das Problem ernst, und es gibt dem Gast die Möglichkeit, klug zu entscheiden.
Einbindung der Bevölkerung. Wenn die lokale Bevölkerung sich vom Tourismus überrollt fühlt, wird das nach außen sichtbar – in der Servicequalität, in Social-Media-Kommentaren, in Medienberichten. Interne Kommunikation mit der Bevölkerung ist deshalb Teil des Destinationsmarketings, nicht ein separates Thema.
Saisonale Balance: Winter und Sommer gleichwertig denken
Viele österreichische Destinationen sind als Winterdestinationen bekannt und kämpfen darum, im Sommer wahrgenommen zu werden – oder umgekehrt. Die saisonale Schieflage ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern ein kommunikatives Problem.
Das ist ein kommunikativer Akt: Es sagt, wir nehmen das Problem ernst, und es gibt dem Gast die Möglichkeit, klug zu entscheiden.
Denn eine Destination, die im Winter als Skigebiet und im Sommer als Wandergebiet auftritt, hat keine zusammenhängende Marke. Sie hat zwei Halbmarken, die sich gegenseitig im Weg stehen. Die Lösung liegt nicht darin, beide Saisons gleich zu bewerben, sondern eine übergeordnete Identität zu finden, die in beiden Saisons trägt.
Was das konkret bedeutet: Die Region kommuniziert nicht „Ski fahren” und „Wandern”, sondern ein Versprechen, das beides umfasst. „Alpines Lebensgefühl”, „Kraft aus der Natur”, „Bewegung in jeder Jahreszeit” – je nach Identität der Region. Die Saisons werden dann zu Ausdrucksformen dieser Identität, nicht zu separaten Produkten.
Lokale Akteure einbinden, nicht übergehen
Eine Destination besteht nicht aus einer Tourismusorganisation. Sie besteht aus Hoteliers, Gastronomen, Bergbahnen, Museen, Vereinen und Anwohnern. Wenn das Destinationsmarketing über deren Köpfe hinweg stattfindet, entsteht eine Kommunikation, die von innen nicht getragen wird – und das merken auch die Gäste.
RAFFEINER REPUTATION empfiehlt deshalb einen partizipativen Markenprozess. Das bedeutet nicht, dass alle mitentscheiden. Es bedeutet, dass alle gehört werden, bevor entschieden wird. Workshops mit lokalen Leistungsträgern, Interviews mit langjährigen Bewohnern, Befragungen von Stammgästen – diese Stimmen bilden das Fundament der Positionierung.
Weiterführend dazu empfiehlt sich Management Club Österreich.
Das Ergebnis ist eine Marke, die vor Ort gelebt wird. Nicht eine Marketinghülle, die schön aussieht, aber hohl klingt, wenn der Gast an der Rezeption steht. Mehr über partizipative Prozesse in der Kommunikation finden Sie unter unseren Leistungen.
Authentizität: Der am meisten missbrauchte Begriff
Jede Destination will „authentisch” sein. Aber Authentizität entsteht nicht durch Behauptung. Sie entsteht durch Konsistenz. Wenn eine Region alpine Tradition kommuniziert, aber im Tal Bettenburgen und Schnellrestaurants dominieren, ist die Diskrepanz spürbar.
Authentisch kommunizieren heißt: das zeigen, was tatsächlich da ist. Die kleinen Gasthäuser, die noch selbst kochen. Die Bergführerin, die seit zwanzig Jahren denselben Weg geht. Den Handwerker, der Zirbenholz verarbeitet. Diese Geschichten sind nicht marketingtauglich, weil sie inszeniert sind – sie sind es, weil sie echt sind.
Die Grenze zwischen Authentizität und Marketingpolitur verläuft dort, wo die Versprechen der Kommunikation und die Erfahrung des Gastes auseinanderklaffen. Gutes Destinationsmarketing sorgt dafür, dass sie übereinstimmen.
Digitale Sichtbarkeit: Gefunden werden, bevor die Reise beginnt
Die Reiseentscheidung fällt heute online – bei der Suche, in sozialen Medien, auf Bewertungsplattformen. Eine Destination, die in diesen Kanälen nicht präsent ist, existiert für viele potenzielle Gäste nicht.
Eine durchdachte Content-Marketing-Strategie für den Tourismus bedeutet: regelmäßig Inhalte produzieren, die echte Fragen beantworten. „Was kann man im Lungau im Oktober machen?” – wer auf diese Frage eine gute Antwort hat, gewinnt Aufmerksamkeit. Wer nur Hochglanz-Imagefilme veröffentlicht, verliert sie.
Bewertungen auf Plattformen wie Google oder TripAdvisor sind Teil der Destinationskommunikation. Sie zu ignorieren ist fahrlässig. Sie aktiv zu managen – sachlich antworten, Kritik ernst nehmen, Lob weitererzählen – ist ein kommunikativer Grundauftrag.
Was unterscheidet den Alltag hier von anderen Orten?
Vertiefen Sie das Thema: Standortmarketing für Gemeinden in Österreich sowie Tourismus-PR im alpinen Raum.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Destinationsmarketing und Tourismuswerbung?
Tourismuswerbung bewirbt ein konkretes Angebot – ein Hotel, einen Skipass, ein Event. Destinationsmarketing positioniert eine gesamte Region als Marke. Es schafft den Rahmen, innerhalb dessen einzelne Angebote wirken können. Ohne klare Destinationsmarke verpufft auch die beste Werbung.
Wie positioniere ich eine Region, die keine offensichtliche Besonderheit hat?
Jede Region hat Besonderheiten – sie sind oft nur nicht sichtbar, weil die Bewohner sie als selbstverständlich betrachten. Ein externer Blick hilft: Was erzählen Gäste über die Region? Was unterscheidet den Alltag hier von anderen Orten? Die Positionierung liegt oft im Kleinen, nicht im Spektakulären.
Braucht jede Destination einen eigenen Slogan?
Nicht zwingend. Ein Slogan kann helfen, die Positionierung zu verdichten, aber er ersetzt keine Strategie. Manche Destinationen fahren besser mit einer klaren Bildsprache oder einem wiederkehrenden Erzählmuster als mit einem Einzeiler, der nach drei Jahren getauscht wird.
Wie gehe ich mit negativer Berichterstattung über Overtourism um?
Nicht defensiv, sondern proaktiv. Zeigen Sie, welche Maßnahmen Sie ergreifen. Kommunizieren Sie offen, dass Sie das Problem kennen und daran arbeiten. Verleugnung verstärkt die Kritik – Transparenz entschärft sie.
Ihre Region braucht eine klare Positionierung, die über Bergbilder und Slogans hinausgeht? Kontaktieren Sie RAFFEINER REPUTATION – wir entwickeln Destinationsstrategien, die von innen getragen und von außen erkannt werden.